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Heroes4Lausitz

Zukunftswerkstatt Görlitz

Ohne großes schulinternes Aufsehen zu erregen, vertrat vergangene Woche eine sechs-köpfige Delegation von Schülern unser Gymnasium bei einer dreitägigen Workshop- und Seminarveranstaltung in der Villa Ephraim um über die Zukunft unserer Region zu diskutieren. Von Mittwoch bis Freitag tagten wir täglich acht Stunden in offenen Plenumssitzungen und Diskussionsrunden, trafen regionale Verantwortungsträger und entwickelten Konzepte zur Attraktivitätssteigerung der Lausitz. Träger des Ganzen ist SIEMENS, nach internen Aussagen wurden die drei Tage sogar von Joe Kaeser höchstpersönlich finanziell abgesegnet. Neben uns Augustum-Schülern waren außerdem Vertreter aller weiterführender Schulen anwesend, ebenfalls aus Jahrgängen die kurz vor ihrem Abschluss stehen.

Offizielles Ziel des Veranstalters war es, Schülern und Jugendlichen, die zeitnah vor der Entscheidung stehen werden, hierzubleiben oder wegzugehen eine Stimme zu geben. Wir wurden dazu angeregt, Probleme, die wir mit der Stadt oder dem Landkreis haben zu formulieren und Impulse für eine Verbesserung dieser zu geben. Am Ende der Workshops sollten wir dann in der abschließenden Gesprächsrunde Vertretern der Stadt konkrete Handlungsvorschläge unterbreiten können und Empfehlungen mitteilen.

Betreut wurde die 35 Schüler zählende Runde von einer „Unternehmensberatung für Change-Management und agile Transformation“ (so formulieren sie es auf ihrer eigenen Website > https://www.berlinerteam.de/ ), was für einen professionellen Leitfaden gesorgt hat. Allerdings sei dazu gesagt, dass die beiden Coaches keinen direkten Bezug zur behandelten Thematik besaßen, was sich vielleicht auf die letztendliche Wirkungskraft der Veranstaltung ausgewirkt hat. Unsere Arbeit lässt sich in drei Phasen aufgliedern:

  1. Problemannäherung
  2. Lösungsfindung
  3. Aufstellen von Forderungen

 

Meine Erkenntnisse aus der ersten Phase sind die Folgenden – Viele der Teilnehmenden drückten deutlich ihren Willen, hier zu bleiben, aus, sehen aber keine Möglichkeiten um diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Grundtenor war hierbei, es gäbe keine nutzbaren Chancen und wenn dem so wäre, sei das Lohnniveau im Vergleich zu den alten Bundesländern zu niedrig.

Im Rahmen der ersten Phase wurden ebenfalls viele positive Aspekte und Gründe nicht wegzugehen sichtbar gemacht. Es ist also durchaus nicht so, dass es einen prinzipiellen Drang des Weggangs der breiten Masse gibt (wobei natürlich fraglich ist, ob unsere Gruppe repräsentativ für ganz Görlitz gesehen werden kann).

Sehr interessant ist, dass viele Eigenschaften der Region äußerst bipolar wahrgenommen werden, beispielsweise der provinzielle Charakter der Stadt Görlitz. Vielen gefällt, dass man in der Stadt quasi immer Freunde oder Bekannte trifft und empfinden dies als familiäre Atmosphäre. Andere bemängeln den gleichen Punkt, vor dem Hintergrund, dass dadurch keine Anonymität gegeben ist.

Größte Push-Faktoren sind die infrastrukturelle Schwäche des Umlands und der Stadt (fehlender öffentlicher Nahverkehr zu späteren Tagzeiten oder generell, etc. ...), der Mangel an kulturellen Angeboten beziehungsweise fehlende Information über Bestehendes und ganz allgemein die unaufgeschlossene, intolerante, non-urbane gesellschaftliche Mentalität.

Zu Beginn der zweiten Phase fanden Gesprächsrunden mit regionalen Wirtschaftsvertretern und Politikern (unter anderem der Beauftragte für Landesentwicklung des Land Brandenburg) statt. Diese Vertreter hatten hauptsächlich eine Botschaft: Es besteht eine sehr, sehr dringende Nachfrage nach Fachkräften und Arbeitenden, die bereit sind selbstständige zu übernehmen. Es gibt eine sehr heterogene Unternehmerlandschaft, allerdings in vielen Fällen ohne Perspektive, weil ohne Nachfolge.

Die Quintessenz des zweiten Tages wurde dann nachmittags in Form eines Brainstormings gesammelt. (hier fehlt mir noch ein Foto von der Wand, an der die Ideen gesammelt wurden & die dann hier übernommen oder eingeblendet werden könnten)

In der dritten Phase bildeten wir auf Direktive der Seminarleiter kleinere Gruppen, die sich einzeln mit einem konkreten Problem und dazugehöriger Forderung auseinandersetzten.  Die Forderungen wurden dann in einminütige Videos umgewandelt. Hintergrund dieser Formatwahl war erstens die Präsentationsmöglichkeit bei der anschließenden Gesprächsrunde und zweitens die Verbreitung unserer Ergebnisse im Netz. Die Videos sind auf YouTube frei verfügbar, allerdings ohne jegliche Sichtbarkeit, da sie auf einem neu erstellten Kanal veröffentlicht wurden.                                                                               Link zu den Forderungen-Videos:

https://m.youtube.com/results?search_query=%23heroes4lausitz

Über die herausgearbeiteten Botschaften konnte dann mit OB Sigfried Deinege, Hochschulrektor Prof. Dr. phil. Friedrich Albrecht, dem Koordinator von SIEMENS Görlitz und dem Initiator der Zukunftswerkstatt diskutiert werden. Die Reaktionen auf die Forderungen fielen sehr unterschiedlich aus. Der Oberbürgermeister schien sehr engagiert und es wurde deutlich, wie wichtig ihm diese Themen sind. Alle Teilnehmer nahmen antworteten sehr ausführlich und es herrschte ein angenehm respektierendes Gesprächsklima. Aufgrund der kurzen Zeit konnten nicht alle Fragen beantwortet werden, vor allem nicht zur Zufriedenheit aller geklärt werden. Dennoch war diese Form des Abschlusses sehr resonanzreich und positiv für alle Teilnehmer.

Was lässt sich zum Erfolg der Veranstaltung sagen? Prinzipiell ist es beeindruckend, dass eine so große und so heterogene Gruppe einander unbekannter Schüler kooperativ an den gemeinsamen Aufgaben gearbeitet hat. Dahingehend hätten wirklich große Schwierigkeiten auftreten können, was aber nicht der Fall war. Ebenfalls schön war es, eine Möglichkeit gehabt zu haben, offen und vorurteilsfrei über seine Perspektiven sprechen zu können und dass Problemen und Ideen Raum gegeben wurden.

Allerdings muss man feststellen, dass von Beginn an kein eindeutiger Leitfaden vorgegeben wurde, was zwar auf starkes Vertrauen in uns hindeutet, aber letztendlich zu keinem konkreten Resultat geführt hat. Die Lösungsansätze waren teilweise zu konkret und teilweise zu allgemein formuliert. Außerdem waren die Vorschläge in Teilen nicht wirklich adressatengerecht.  Auf viele der angesprochenen Dinge hat die Stadt keinen Einfluss.

Aus meiner Perspektive äußerst mangelhaft war die Dokumentation unserer Ergebnisse. Sie fand lediglich medial und digital statt; es gibt keine schriftliche Ausformulierung des Besprochenen. Lediglich der Internetauftritt zeugt von unseren Taten, wird aber weitestgehend ungesehen bleiben, da die Kanäle auf denen veröffentlicht wurden unvernetzt sind.

Abschließend die Meinungen der Teilnehmer:

Maximilian (Jahrgang 12):

Meiner Meinung nach verlief der Workshop sehr erfolgreich. Man erhielt die Möglichkeiten Wünsche und Ideen bezüglich der Heimat analytisch zu äußern, sie vorzustellen und letztendlich vor politischen Persönlichkeiten bildlich darzustellen. Die Woche hat mir eine Menge Spaß gemacht und ich habe vor allem gelernt, dass wir Jugendlichen es sind, die das Potenzial besitzen, die Zukunft zu gestalten und das durchzusetzen was uns am Herzen liegt.

Maria (Jahrgang 12):

Der Workshop diente dem längst überfälligen Dialog zwischen Jugendlichen und Politikern, Unternehmern, etc. Dabei ist mir vor allem bewusst geworden, dass die "Jugend von heute" sehr faul ist. Ich hoffe, dass der Workshop uns langfristig angeregt hat unsere Zukunft und unsere Region mitzugestalten. Entscheidend dafür ist, dass wir uns vernetzen und einen offenen Blick für die Region und das regionalpolitische Geschehen entwickeln.

Jonathan (Jahrgang 12):

"Ich denke es war ein sehr gelungener Workshop! Jeder, der was zu sagen hatte, konnte sich mit positiver Resonanz einbringen. Was ich schade fand, waren Diskussionen, die nicht zum Thema passten. Jetzt ist es wichtig, dass so viele wie möglich von uns hören, damit die Sache Erfolg hat. Besonders erfreulich war die Gemeinschaft mit all den Jugendlichen von Görlitz, die man schon von früher mehr oder weniger kannte! Eine zusammenschweißende Erfahrung.

Moritz (Jahrgang 12):

Per se waren die drei Tage eine großartige Chance, an der Gestaltung unserer Region aktiv teilzunehmen. Für mich war es sehr inspirierend zu hören, was Altersgenossen bewegt und die Möglichkeit zu besitzen, die Ergebnisse direkt mit Verantwortlichen zu besprechen. Ich bezweifle allerdings, dass diese drei Tage große Auswirkungen hervorrufen werden.

Text: Moritz Vogt