Suche | DE PL | Kontakt
vom 02.06.2024

Impressionen der Teilnahme an der SimEP 2024

Augustum-Annen-Gymnasium

Die Europawahlen am 09. Juni rücken immer näher. Nicht nur deswegen entschied sich der GRW-Kurs von Herr Kerkhoff, an der diesjährigen SimEP in Dresden teilzunehmen. Eine Reportage der beteiligten Schüler.

Arend Friedenstab:
Mit klopfendem Herzen und dem Puls der Demokratie im Hintergrund tauchen wir ein in die faszinierende Welt der SimEP Sachsen vom 25.März 2024. Ein ganztägiges Planspiel, welches die Dynamik und Herausforderungen des Europäischen Parlaments auf beeindruckende Weise nachbildet. Hier treffen junge Menschen zusammen, um in die Rollen von Abgeordneten zu schlüpfen und sich in hitzige Debatten über Gesetzesvorschläge zu stürzen. Willkommen zu einem Tag voller Leidenschaft, Politik und dem Streben nach europäischer Einigung. Als eine von etwa 20 verschiedenen Schulen aus Sachsen nimmt unser GRW-Kurs in Begleitung von Herr Kerkhoff und Herr Kossatz an der Simulation teil und hofft, einen Einblick in das politische Leben zu gewinnen. Diesen wollen wir Ihnen hiermit vermitteln und Sie teilhaben lassen an der aufregenden Veranstaltung.
Doch erstmal geht der Tag los wie jeder andere. Naja, nicht ganz, da wir bereits um 6 Uhr am Görlitzer Bahnhof erscheinen müssen, um pünktlich 8 Uhr zum Beginn der SimEP in Dresden einzutreffen. Für manche von uns bedeute dies, dass der Wecker bereits 4 Uhr klingelt, um den Tag einzuleiten. Auch wenn viele von uns zu diesem Zeitpunkt bereuen, sich für das Projekt eingeschrieben zu haben, ändert sich dies, als wir im sächsischen Landtag eintreffen. Das Gebäude mit seiner schönen Lage an der Elbe und der prächtigen Außenansicht vermittelt den Eindruck, als müsse es Spaß machen, hier zur Arbeit zu gehen.
Schließlich treten wir ein und finden wir uns langsam in den uns zugeteilten Fraktionen ein und tauschen uns bereits mit anderen Schülern aus, die ebenfalls nicht wirklich wissen, was uns erwartet. Auch unsere Lehrer verlassen wir jetzt, sie werden am heutigen Tag nur Zuschauer sein.
Im Saal werden wir von verschiedenen Leuten, unter anderem dem sächsischen Landtagspräsidenten und den Veranstaltern der SimEP, den Jungen Europäischen Föderalist:innen begrüßt und wir bekommen bereits ein Gefühl für die Aufgabe, die uns für den Tag vorliegt.
 
Conrad Dreßler:
Doch wie genau funktioniert die Gesetzgebung der EU? Grundsätzlich braucht es 3 Institutionen, welche zusammenarbeiten, um einen Rechtsakt zu verabschieden: Die EU-Kommission, den Rat der EU (auch Ministerrat genannt) und das Europäische Parlament. Jedes Mitgliedsland hat einen unabhängigen Kommissar als Vertreter in der EU-Kommission. Im ersten Schritt einer Gesetzgebung schlagen diese insgesamt 27 Kommissare einen Gesetzesentwurf vor, welcher an den Ministerrat und an das Europäische Parlament weitergeleitet wird. Die Aufgabe des Europäischen Parlamentes ist es nun, den Gesetzesentwurf anzupassen. Dazu wird erstmal unabhängig in jeder Fraktion der Antrag diskutiert und verändert. Danach werden die Änderungsanträge jeder Fraktion im Europäischen Parlament debattiert und schlussendlich wird abgestimmt, ob der jeweilige Antrag zugelassen wird. Dem fertigen Änderungsantrag des Gesetzesentwurfs muss dann noch der Ministerrat und das Europäische Parlament zustimmen, damit ein Rechtsakt vollzogen werden kann.
Einen Teil dieses Prozesses werden wir heute auch durchleben und mitgestalten. Die SimEP bezieht sich, wie der Name schon sagt, nur auf das Europäische Parlament. Zu Beginn der Veranstaltung bekamen wir eine Mappe, dessen Inhalt neben ein paar Zetteln auch den Entwurf der EU-Kommission beinhaltete.  Der Entwurf bezog sich auf ein LIFE-Programm für Klima und Umweltpolitik und definiert, was dieses LIFE-Programm fördern und unterstützen soll. Er bestand aus 8 Artikeln mit mehreren Unterpunkten. Auf der linken Seite stand der ursprüngliche Vorschlag der Kommission und auf der rechten Seite stand die frühere Veränderung des Parlaments eines jeden Artikels, da der Entwurf bereits einmal verändert wurde. Wir sollen nun die rechte Seite erneut überarbeiten. Bei den Veränderungsmöglichkeiten war nahezu alles möglich: einzelne Wörter verändern, Anhänge hinzufügen, die vorherige Veränderung rückgängig machen und zu der Ursprünglichen Formulierung zurückkehren, oder gleich einen ganzen Artikel neu verfassen.

Pauline Banaskiewicz:
Nach einer kurzen Eröffnung des Planspiels gehen wir mit den Fraktionen in unsere Fraktionsräume und die Arbeit beginnt. In den fünf Fraktionen - Renew Europe, EKR, EVP, S&D und Grüne/EFA - gehen die Mitglieder nun in der ersten Fraktionssitzung den Entwurf eines Berichts durch und diskutieren, was sie ändern wollen. Geändert werden können dabei die Artikel 2, 4, 5, 6 und 7 von insgesamt 8 Artikeln. Nachdem sich die Fraktionen einig sind, was sie ändern wollen, werden nun jeweils 2 Personen ausgewählt, welche nach der anstehenden Mittagspause dann in die Ausschusssitzungen gehen. Hier gibt es die ENVI - Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit -, die ITRE - Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie - und die AGRI - Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Nach der Mittagspause gehen die ausgewählten Personen jetzt in ihre Ausschusssitzung und stellen dort ihre Änderungsvorschläge für den jeweiligen Ausschuss vor. Dabei stehen natürlich die Interessen der einzelnen Fraktionen im Vordergrund. Da wir in den Ausschusssitzungen nicht alle unsere Interessen durchsetzen können, betrachten wir die Meinung der anderen Fraktionen zu einem Thema und versuchen, Kompromisse zu finden, welche uns in der späteren Plenardebatte von Vorteil sein könnten. Die Ausschusssitzungen kommen zum Ende und die Mitglieder gehen wieder in ihre Fraktionen zurück, um in den nächsten Minuten eine Auswertung in der zweiten Fraktionssitzung zu machen. Wir besprechen die Änderungsvorschläge der anderen Fraktionen und versuchen Kompromisse mit ihnen einzugehen. In dieser Fraktionssitzung werden nun auch die Reden für die anschließende Plenarsitzung geschrieben. Außerdem werden der Fraktionsvorsitzende und sein Stellvertreter gewählt.
 
S&D

Leo Linde:
Wir begeben uns alle zügig in die Seminarräume, die Fraktionen finden sich ein erstes Mal zusammen. Wir befinden uns in einem Raum, ganz unter Kolleginnen und Kollegen der S&D-Fraktion. Sofort fällt der freundschaftliche Umgang miteinander auf, wir duzen uns. Während uns Aleksey, einer der drei Begleiter für diesen Tag, auf das Fraktionspapier der S&D hinweist merke ich, dass die Werte der Fraktion oft mit meinen übereinstimmen.
Die S&D steht für eine soziale Klimapolitik, was bedeutet, dass der Klimawandel zwar aufgehalten werden soll, der EU-Bürger aber nicht unter den Beschlüssen leiden soll. „Vor euch befindet sich nun der Berichtsentwurf, dem wir als Fraktion zustimmen können, oder zu dem wir auch Änderungsvorschläge ausarbeiten können.", so Aleksey, der uns die Entwürfe aushändigt. Das Hauptthema der diesjährigen SimEP ist der Klimawandel und die dazugehörigen Entwürfe zu Beschlüssen der Kommission. Zuerst traue ich mich nicht ganz, diese Beschlüsse zu kommentieren, da mir teilweise das nötige Hintergrundwissen fehlt. Dann aber meldet sich Tom, unser späterer Fraktionsvorsitzende, und regt fast alle Kollegen und Kolleginnen zur Diskussion an. Und dann melde auch ich mich, und wir alle sprudeln nur so vor Ideen. Dass man dabei aber auch die Werte der Fraktion in den Vordergrund stellen muss, fällt uns oft erstmal schwer, da sich scheinbar nicht alle mit diesen identifizieren können. Die Zeit vergeht sehr schnell, und kaum haben wir den letzten Artikel bearbeitet, weist uns Aleksey auf die Ausschüsse hin, zu denen wir uns langsam begeben sollen. Kurz davor müssen wir uns aber noch entscheiden, wer in welchen Ausschuss geht. Ich bin sehr zufrieden mit dem Agrar-Ausschuss, und so gehen wir gemütlich in die verordneten Saale.

EVP

Thora Schröter:
Die EVP (Europäische Volkspartei) stellt die größte und älteste Fraktion im Europäischen Parlament dar.
Die Mitte-Rechts-Fraktion engagiert sich für ein starkes und selbstbewusstes Europa und verfolgt klare Klima-Ziele, welche allerdings durch folgende Regulierungen eingeschränkt werden:
Die klimafreundliche Politik soll sich dadurch auszeichnen, dass sie dennoch Rücksicht auf die Wettbewerbsfähigkeit der EU nimmt. Die anzustrebende Klimapolitik soll also die Wirtschaft der EU stützen, statt sie zu stürzen. Weiterhin sollen alle Staaten gleich viel zur Verwirklichung der Ziele bezüglich Klimapolitik beitragen. Ländern, denen es durch ihre wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht möglich ist, genauso viel zu gemeinsamen Zielen beizusteuern wie größere Mächte, sollen deshalb Unterstützung erhalten. Außerdem sollte Geld nur da ausgegeben werden, wo es wirklich effizient ist und den größten Nutzen erzielt. Die Autoindustrie soll trotz der Ziele in Thema Umweltpolitik weiterhin gestärkt und nicht durch unzumutbare Ziele blockiert werden, nur, um bestimmte Klimaziele einzuhalten
Dass meine beiden Mitschüler, welche ebenfalls der EVP zugeteilt wurden, und ich nicht wirklich die Ansichten der Fraktion vertreten, ist nicht gerade die beste Voraussetzung, um durchsetzungsfähig in unserer Gruppe diskutieren zu können. Nach kurzer Eingewöhnung gelingt es uns jedoch sehr gut, in unsere Rolle einzutauchen und wie wahre Abgeordnete argumentieren und entkräften zu können. In der Gruppe wählen wir einen Vorsitzenden der Fraktion und einigen uns auf die Redner, die die Anträge schließlich präsentieren sollen.
Nach unseren ausgiebigen Diskussionen und fertiggestellten Änderungsanträgen, die wir später durchsetzen wollen, schreiben wir in diversen Gruppen Reden, um unsere Standpunkte vor den anderen Fraktionen darzulegen und gleichzeitig an Verbündeten und Ansehen zu gewinnen. Dies kannten wir zwar bereits aus dem Deutschunterricht, allerdings war es eine gewisse Umstellung, eine politische Rede zu schreiben, die später vor etwa 100 Schülern gelesen werden würde. Ob es uns trotzdem gelingt, eine überzeugende Rede zu schreiben, sollte sich später bei der Plenardebatte zeigen.
 
Grüne/EFA

Vincent Reichel:
Die Fraktionssitzung der Grünen/EFA ist sehr produktiv. Nach einer schnellen Vorstellung beginnen wir, die nun Abgeordnete spielen, uns auf unsere politische Position einzustellen. Die beiden Mentorinnen erklären uns den Standpunkt unserer Fraktion. Die Grünen stehen für eine strenge Klima- und Umweltpolitik mit einem klaren Blick auf eine gerechte Gesellschaft. Gemeinsam rufen wir noch etwas zaghaft unser Motto: "Klimagerechtigkeit". Doch schnell merken wir, dass diese Position nicht allzu fern von uns ist. Dann setzen wir uns auf unsere Plätze, vor uns ein nicht so simpler Bericht. Hinein geht es also in die Arbeit eines Abgeordneten.
 
Wir diskutieren besonders darüber, wie wir den Entwurf in Sachen Klimaschutz strenger machen können. Unsere Debatte ist sehr harmonisch. Nur selten stellt jemand die Entscheidung eines anderen stark in Frage, diskutiert wird vor allem über Kleinigkeiten. So auch darüber, wie radikal unsere Vorschläge sein sollen. Wir entscheiden uns dafür, einige Ideen abzuschwächen, um einen Kompromiss besser hervorzubringen. Dabei haben wir immer unser Motto, Klimagerechtigkeit, vor Augen. Direkt danach überlegten wir uns auch, welche Fraktionen für unsere Gesetzesvorschläge stimmen würden. Das Ergebnis: Mit den meisten Plänen sollten wir wohl eine Mehrheit erhalten können. Zum Abschluss rufen wir nun erneut zusammen unser Motto: "Klimagerechtigkeit". Dieses Mal war es laut und entschlossen. Optimistisch gehen wir also weiter.

EKR

Cindy Funk:
Wie die meisten anderen Mitglieder, die der EKR-Fraktion an diesem Tag angehören, habe auch ich mich nicht freiwillig dafür entschieden. Die EKR- Fraktion ist momentan die fünftgrößte Fraktion im EU-Parlament. Damit gehören ihr 68 Abgeordnete aus 15 verschiedenen Staaten an.
 
Wichtige Standpunkte der Fraktion sind zum einen der Schutz der Souveränität der Mitgliedsstaaten und der individuellen Freiheit. Wir, als die Mitglieder der Fraktion bezeichnen uns selbst demzufolge als „europarealistisch". Das bedeutet, wir sehen die EU zwar als etwas Positives an, wollen aber ihren Einfluss auf die einzelnen Nationalstaaten deutlich verringern. Dies soll zum Schutz der nationalen Identität und zur Bewahrung der Freiheit aller Bürgerinnen und Bürger beitragen.
Außerdem stellt die EKR-Fraktion einen zentralen Fokus auf die Wirtschaft. Wir verfolgen das Ziel, dass sich die EU auf die Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich konzentriert. Es ist uns außerdem wichtig, dass die Wirtschaft nicht unter Maßnahmen gegen den Klimawandel leiden muss. Weitreichende Klimaschutzmaßnahmen, wie andere Fraktionen sie fordern, befürworteten wir in der EKR-Fraktion nicht. Grundsätzlich wird die Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen innerhalb der Fraktion zwar anerkannt, andere Punkte haben jedoch Vorrang. Einige Abgeordnete zweifeln den Klimawandel sogar an.
Während der Arbeit in der Fraktion besteht die Herausforderung für uns besonders darin, den vorliegenden Gesetzesentwurf nicht nach unserer eigenen Meinung, sondern nach der unserer Fraktion umzuschreiben. „Denkt daran, dass ihr den Artikel nach den Ansichten eines Abgeordneten aus der EKR-Fraktion formulieren solltet." Diesen Satz hören wir mehrmals von unserer Mentorin. Einerseits ist es sehr interessant, für eine andere politische Meinung zu argumentieren. Gleichzeitig liegt darin aber auch die Schwierigkeit. Auch die Zusammenarbeit und die Suche nach Kompromissen mit den anderen Fraktionen, zum Beispiel in den Ausschusssitzungen, stellt sich als sehr schwierig heraus. Bis auf wenige Punkte finden wir keine Übereinstimmung mit ihnen, was dazu führt, dass nur wenige unserer Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden und in der Plenarsitzung zur Abstimmung kommen.

Renew Europe

Katharina Kraus:
Ein grelles Licht erhellt den fensterlosen Seminarraum, als ich gemeinsam mit meinen Fraktionsmitgliedern eintrete. Nachdem wir uns hingesetzt haben, ergreift mich die Atmosphäre in diesem Raum. Sie ist gespannt und erwartungsvoll. Einer unserer Begleiter für den Tag, Markus, ergreift das Wort. Er, sowie auch viele meiner Fraktionsmitglieder, sind im Stil von Business Casual gekleidet: ein weißes Hemd oder eine weiße Bluse kombiniert mit einer simplen schwarzen Hose. "Als erstes werden wir über die Funktionsweise der Europäischen Union sprechen. Dann bitte ich euch, das Fraktionspapier der Renew Europe-Fraktion, welches vor euch liegt, zu lesen. Anschließend widmen wir uns dem Berichtsentwurf, auch dieser liegt vor euch. Den Artikeln in diesen können wir als Fraktion zustimmen oder Änderungsvorschläge ausarbeiten.", spricht Markus. Mit großem Interesse diskutieren wir, wie die Europäische Union funktioniert, bevor wir gespannt das Fraktionspapier lesen und analysieren. Es ist ein Moment der Vertiefung und der Vorbereitung auf die kommenden Gesetzesänderungen, welche wir in dieser intensiven Arbeitssitzung erarbeiten werden.
Beim Lesen des Fraktionspapiers fällt mir auf, dass meine Überzeugungen mit denen der Renew Europe-Fraktion übereinstimmen. Sie ist die drittgrößte politische Fraktion im Europäischen Parlament. Sie ist eine liberale und proeuropäische Fraktion, welche daran glaubt, dass die Wende hin zu einer umwelt- und klimaschonenden Wirtschaft und Gesellschaft möglich ist.
 
Beim Erreichen dieses zentralen Ziels ist für die Renew Europe-Fraktion essenziell, dass Klimaziele und wirtschaftliche Auswirkungen immer gemeinsam gedacht werden. Die Wirtschaft soll durch Maßnahmen zum Klimaschutz nicht leiden. Die Diskussion zwischen den Fraktionsmitgliedern über die Gesetzesänderungen im Berichtsentwurf beginnt. Es scheint so, als wäre jedes Fraktionsmitglied voller Ideen bezüglich möglicher Änderungsanträge. Am Ende beschließen wir, die Fraktionsmitglieder der Renew Europe-Fraktion, gemeinsam bei einigen Artikeln auf den Vorschlag der Kommission zurückzukommen, uns zu der Änderung des Parlamentes zu positionieren, Artikel zu ergänzen, umzuschreiben oder gar ganz zu streichen.
 
Jonatan Müller:
Und nun stand sie kurz bevor, die lang erwartete Plenardebatte, der Höhepunkt der Veranstaltung. Wir waren alle etwas nervös, einerseits, da wir gleich vor etwa 100 Schülern und unseren Lehrern eine selbst erarbeitete Rede halten werden, andererseits, da sich jetzt herausstellen wird, ob die erhofften Änderungsanträge angenommen werden. Alle finden sich langsam am Platz ein und die Veranstalter kündigen das große Finale des Tages an. Kurz darauf werden die ersten Redner vorgerufen.
 
Die Vorsitzenden der Fraktionen halten eine Eröffnungsrede, um ihre Positionen zum Gesetzesentwurf deutlich zu machen. Danach geht es auch schon los mit dem ersten Redner und seinem Antrag. Man kann ihm die Nervosität anmerken, doch er schafft es ohne Fehler durch seinen Text.
Nach den meisten Reden werden Zwischenfragen gestellt, bevor die Anträge zur Wahl gestellt werden. Demzufolge kommt es zu kurzen Diskussionen, manche sehr diplomatisch, andere so persönlich, dass der Leiter der Debatte zur Ordnung auffordert oder sogar droht, einen Redner des Raumes zu verweisen.
Doch es bleibt erfolgreich für Fraktionen wie S&D, Renew Europe oder den Grünen. Durch vorherige Absprachen und Kompromisse schaffen sie es, die meisten ihrer Anträge durchzusetzen, auch wenn einer ihrer Redner bei einer Diskussion mal nicht ganz so gut wegkommt. Andererseits kommt es oft zu starkem Applaus, allerdings wird daraufhin der Antrag trotzdem nicht durchgesetzt.
Gegen Ende hin werden die Diskussionen und Unsachlichkeiten häufiger, doch die Jungen Europäischen Föderalist:innen versichern uns, dass im Europäischen Parlament wahrscheinlich noch nie eine so sachliche Debatte stattfand wie unsere. Wir können uns nun also ungefähr vorstellen, wie die Debatten ablaufen und überdenken die anfänglichen Gedanken, wie schön es sein muss, im Landtag an der Elbe mit einer schönen Aussicht zu arbeiten, noch einmal. Nach einer letzten Rede der Jungen Europäischen Föderalisten und ein paar abschließenden Worten geht die aufregende Veranstaltung zu Ende und wir machen uns auf den Heimweg.
Da die Kolleginnen und Kollegen aus Dresden und Leipzig erst die 10. Klasse besuchen und das Thema Europa im immer vorhandenen GRW-Unterricht behandelt haben, waren diese etwas näher mit der Umgebung des Planspiels vertraut. Aufregung und Vorfreude herrschten dennoch unter uns 11 Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse aus Görlitz, als wir die Gelegenheit erhielten, im Rahmen des GRW-Unterrichts eine Simulation des Europäischen Parlaments durchzuführen. Und unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht- im Gegenteil: "Das war einfach toll, super und richtig erfahrungsbereichernd", schwärmten wir auf der Zugfahrt nach Görlitz. Neben dem Spaßfaktor konnten manche Schüler unseres Kurses sogar neue potenzielle Berufsperspektiven für sich entdecken.

Abed Jiji:
Um den Teilnehmern ein möglichst authentisches Parlamentserlebnis zu bieten, hatten die Organisatoren einiges vorbereitet. So waren Pausen fest in den Zeitplan integriert und es gab ausreichend Verpflegung mit Essen und Snacks. Auch in den Ausschusssitzungen und Fraktionstreffen zeigten die jungen Parlamentarier ein hohes Level and Motivation und beteiligten sich rege an den Diskussionen. "Wir haben das richtige Feeling für die Arbeitsweise des Europäischen Parlaments bekommen", so das Fazit der Lernenden.
Lediglich an einem Punkt gab es eine Menge Verbesserungspotenzial: "Es fehlte an einer ausreichenden Aufklärung über Fakten zur Klimapolitik. Man könnte sicherlich mehr zu Diskussionen beitragen, wenn man Fakten vor seiner Nase hätte“, kritisierten einige Lernende. Hier sehen die Organisatoren Handlungsbedarf, um das Lernerlebnis in Zukunft noch weiter zu optimieren. Möglich wäre auch eine Ausweitung dieses Planspiels, damit noch mehr Schülerinnen und Schüler von diesem Projekt profitieren können. Insgesamt war die Europaparlament-Simulation für alle Schülerinnen und Schüler jedoch ein voller Erfolg. Sie konnten nicht nur wertvolle Einblicke in die parlamentarische Arbeit gewinnen, sondern auch neue Perspektiven für ihre berufliche Zukunft entdecken. Mit der gelungenen Organisation und dem hohen Engagement aller Beteiligten dürfte diese Erfahrung den Jugendlichen noch lange in Erinnerung bleiben.

Irwin Springer:
Die SimEP ist rückblickend eine großartige Gelegenheit, in die Welt der Demokratie einzutauchen und unser Europa, welches uns vereint, näher kennenzulernen. Als Schüler hatten wir die Möglichkeit, reale und zeitnahe Probleme in einer Simulation zu lösen und in eine neue Rolle als Abgeordneter im Europäischen Parlament zu schlüpfen. Dabei durften wir Schüler die Interessen der jeweiligen Fraktionen EVP, S&D, EKR, RE und Grüne/EFA näher kennenlernen und uns so eine eigene Meinung bilden.  

In den jeweiligen Fraktionssitzungen konnten wir tolle Menschen kennenlernen, die uns den gesamten Tag begleiten und uns die Fraktionen näherbringen.
Während manche Schüler sich mit der jeweiligen Fraktion identifizieren können, gab es auch Teilnehmer, die Schwierigkeiten haben, diese Interessen persönlich zu unterstützen. Aber genau deshalb war es ein unglaubliches Abenteuer. So lernte man durch das Hineinschlüpfen in die jeweilige Partei die Intention dahinter näher zu verstehen. Zwar ging es darum, die Interessen und Visionen der eigenen Fraktion umzusetzen, aber so einfach wie gesagt ist das natürlich nicht. Neben Diskutieren und Abstimmen hieß es also auch Kompromissbereitschaft zu zeigen und auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Parallel zu den Fraktionssitzungen versuchte man also bereits, mit anderen Abgeordneten einen Kompromiss zu finden. Dabei ist Vertrauen ein wichtiger Schlüsselbegriff in der Simulation, aber auch in der realen Welt, um gemeinsam für unser Europa da zu sein. Über 100 Schüler nahmen an der großen Plenardebatte teil und versuchten demokratisch in Bezug auf das EU-LIFE-Programm, ein Programm für die Umwelt- und Klimapolitik, ihre Interessen durchzusetzen, zu diskutieren und Kompromisse einzugehen. Aber auch wurde uns Schülern klar, wie wichtig es ist, neben der Wirtschaft, Landwirtschaft und Sozialpolitik für das Klima da zu sein und alle diese Faktoren zu berücksichtigen.
Die SimEP ist eine hervorragende Möglichkeit für uns Schüler, uns auf die Europawahlen am 9. Juni 2024 vorzubereiten und uns und andere da draußen anzuregen, am Politikleben teilzunehmen. Wir hoffen, dass dieses Programm der Jungen Europäischen Föderalisten weiterhin bestehen bleibt und jungen und politikinteressierten Schülern einen Einblick in einen parlamentarischen Alltag voller Demokratie auch in Zukunft ermöglichen kann und wir bedanken uns für einen aufschlussreichen Tag voller Erlebnisse.